E-Commerce, die dunkle Bedrohung?

Der Online Handel ist eine Gefahr für Österreichs Einzelhandel titelt Anfang des Jahres eine Boulevard Zeitung in Österreich. Online-Handel wird zum Jobkiller skandiert ein anderes Blatt im selben Atemzug. Amazon und Zalando zerstören nicht nur die Einzelhändler und Familienbetriebe, sondern auch tausende Jobs im Verkauf. Seitdem vergeht kaum eine Woche in der nicht zu lesen oder zu hören ist, wie schädlich der globale E-Commerce geworden ist. Die uneingeschränkte Vergleichbarkeit und die Wehrlosigkeit gegen Gratis Beratungen werden als Hauptkritikpunkte genannt. Gemeint sind jene Kunden, die sich im Geschäft beraten lassen und dann aber online am günstigsten kaufen.

Ist tatsächlich der Online Handel das Problem?

Die ständige Vergleichbarkeit aller standardisierten Produkte ist kein Phänomen des E-Commerce, sondern ein Effekt der immer stärkeren Anbindung des täglichen Lebens an das Internet. Smartphones die ständig online sind und Internet privat und am Arbeitsplatz ermöglichen diese ständige Vergleichbarkeit. Dadurch ist der Online Handel nur eine Geschäftsidee die jedem zur Verfügung steht, um sich diese Tatsache zu nutzen zu machen.

Frage: Holst Du Dir Deine Beratung für einen Konsumartikel im Wert von 50 bis 300 EUR (Anm. in diesem Preissegment passieren 80 bis 90 % der Online Käufe) tatsächlich im Geschäft und fährst dann wieder nach Hause und kaufst online? Sicher werden einige diese Frage mit Ja beantworten, weil das lokale Geschäft ganz einfach vertrieblich zu schwach war, um abzuschließen.

Beim Großteil ist es aber so, dass es sich um reine Online Käufer handelt. Warum soll ich ins Geschäft fahren und mich von einem Verkäufer beraten lassen, wenn mir im Internet nahezu unbegrenzte Meinungen zu jedem Artikel und zu jeder Dienstleistung zur Verfügung stehen? Bin ich dann immer noch nicht schlauer, bemühe ich meine Freunde in den sozialen Medien. Schenke ich den Ergüssen über nahezu jeden Artikel im Internet nicht mein Vertrauen, ist meine Affinität zu meinem lokalen Händler vor Ort so groß, dass ich mich dort nicht nur beraten lasse, sondern dort dann auch kaufe.

Einzigartig sein – offline und online

Die Gründe warum Menschen online kaufen und warum sie es nicht tun werden ständig erforscht. Man hat nun als Händler zwei Möglichkeiten der „E-Commerce Gefahr“ zu begegnen. Nichts tun ist dabei keine Option. Will man auf keinen Fall online aktiv werden, ist die Aufgabe einen USP (Unique Selling Proposition) im lokalen Laden zu schaffen, der online nicht verfügbar ist. Anregungen bietet diese Infografik:

Die eigene Online und E-Commerce Strategie

Natürlich spielt der Preis beim Online Shopping eine zentrale Rolle und ist das wichtigste Entscheidungskriterium im Online Handel, vor allem bei kleineren Händlern. Doch der Preis ist nicht das einzige Erfolgsgeheimnis im Online Handel. Noch entscheidender als Offline ist die Schaffung eines USP online. Dieser USP muss auf den ersten Blick erkennbar sein und dem Online Shopper das Vertrauen geben hier ohne Sorge einkaufen zu können.

Success Stories

Die Erfolgsgeschichten unserer Kunden bestätigen dies. Z.b. www.reviwell.at und steiner-juwelier.at sind keine großen Konzerne und haben kein weit verzweigtes Filialnetz oder einen großen Namen und Markenwert. Während reviwell in den letzten 2 Jahren in manchen Sparten allein in Österreich online bereits mehr Umsatz generiert als so mancher Branchenprimus, wird Juwelier Steiner nach spätestens einem Jahr (Launch im April 2013) bereits mehr Umsatz online als im lokalen Geschäft in Lienz erwirtschaften und das trotz Wirtschaftsflaute in Osttirol und Felbertauernsperre. Vor allem der deutsche Markt bietet hier Chancen ohne großen Mehraufwand online genutzt werden zu können.

Möglich ist dies durch eine ausgeklügelte Online Strategie, viel Geduld und einer durchgängig hohen Qualität beginnend bei der technischen Umsetzung, über Design und Usability bis hin zur Online Marketing Betreuung.

Infografik: Warum kaufen wir online

 Mehr Chancen als Gefahren

Eine genauere Betrachtung der „Gefahr E-Commerce“ zeigt also schnell, dass diese Bedrohung die größte Chance für den Handel überhaupt darstellt und vor allem weder schlecht zu reden noch aufzuhalten ist. Freilich, wer sich dem Thema verschließt, wird mittelfristig auf der Strecke bleiben.

Arbeitskräfte sind übrigens auch im E-Commerce nötig, nichts geht von allein, nicht die professionelle Aufbereitung der Produkte, nicht der Versand und die Abwicklung der Bestellungen und vor allem nicht der Support der oft kritischen Online Kunden.

Umdenken! Aber schnell!

Während in anderen Ländern der Welt, aber auch vor unseren Türen, in Deutschland und vor allem in Osteuropa längst allen klar ist, dass E-Commerce integraler Bestandteil der Handelsbranche ist, zögern in Österreich Medien und Handel großteils noch und lassen sich von – verglichen mit der Eröffnung einer neuen Filiale – niedrigen Initialkosten abschrecken. Erste Artikel zeigen, dass man langsam begreift, wohin die Entwicklung geht und dass es höchste Eisenbahn ist.

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